US-Zeitung rechnet ab: Deutschland hat seine Strahlkraft verloren | Politik

US-Zeitung rechnet ab: Deutschland hat seine Strahlkraft verloren | Politik

Jahrzehntelang bewunderten die Amerikaner Deutschland für seine Präzision, Effizienz und wirtschaftliche Kraft. Für „Made in Germany“ zahlte man gern etwas mehr.

Damit ist es vorbei. Das „Wall Street Journal“ urteilt jetzt in einer großen Analyse: Deutschland hat seinen Mojo – heißt: seine Strahlkraft – verloren.

„Vor zwei Jahrzehnten hat Deutschland seine morbide Wirtschaft wiederbelebt und wurde in der Ära der Globalisierung zum Hersteller-Kraftwerk“, beginnt die US-Zeitung und fährt fort: „Eigentlich müsste sich Europa größte Wirtschaft heute erneut neu erfinden.“

Doch seine „zersplitterte politische Klasse“ findet weder auf kurz- noch auf langfristige Probleme eine Antwort. Dabei hätten die Symptome sich bereits 2018 und 2019 bemerkbar gemacht, als Produktion und Wachstum erstmals quasi stagnierten.

Folge der politischen Hilfs- und Tatenlosigkeit: Deutschland wird 2023 die einzige Industrienation sein, deren Wirtschaft schrumpft!

Zu selbstgefällig, zu geizig

Das Blatt zählt die Gründe für die Misere „Made in Berlin“ auf:

▶︎ Die Abhängigkeit von Export-Produkten: Sie machte Deutschland besonders empfindlich für die Material-Engpässe der Pandemie, für die steigenden Energiepreise durch den Ukraine-Krieg und für die Inflation sowie die rasant steigenden Zinsen.

▶︎ China: Aus dem größten Abnehmer deutscher Waren ist Deutschlands größter Konkurrent geworden. Dies gilt besonders für den Automobil-Sektor. Konsequenz: Die Ausfuhren ins Reich der Mitte sind von 114 (2021) auf 104 Milliarden Euro geschrumpft. Tendenz: schnell weiter fallend.

▶︎ Donald Trump (77): Seit er als Präsident den Zollkrieg startete, ist der freie Handel unter Beschuss geraten. Viele deutsche Produkte sind seither in den USA entweder zu teuer oder die Gewinnmargen zu niedrig.

▶︎ Die Selbstgefälligkeit: Der lang anhaltende Boom führte dazu, dass Deutschland einerseits seine Probleme (alternde Bevölkerung, kränkelnder Service-Sektor, wachsende Bürokratie) nicht anging, andererseits die Zeichen der Zeit nicht erkannte. So hat die Autoindustrie (inklusive der Zulieferer) den Trend zum Elektroauto verschlafen. Ein Mangel an Fachkräften und eine fehlende Reform der Einwanderungspolitik täten ein Übriges.

▶︎ Falsche Subventionen: Die Politik unterstützte lieber alte Industrien (Automobil, Maschinen, Chemie) anstatt die digitale Technologie. Indiz: Deutschlands einzige wichtige Software-Firma ist SAP. Und die wurde 1975 gegründet.

▶︎ Staatlicher Geiz: Jahre der knauserigen Investitionen führten zu einer mangelhaften Infrastruktur und einem mittelmäßigen Bildungswesen. Konsequenzen: Die einst effizienten Züge stehen heute für Verspätung. Highspeed Internet und Handy-Verbindungen sind im Vergleich zu anderen Industrienationen lahm.

▶︎ Regulierungen: Deutschlands einstiges Vorzeige-Unternehmen Linde wird seit März nicht mehr an der Frankfurter Börse, sondern nur noch an der New York Stock Exchange gehandelt. Grund: Zu viele Finanzregulierungen und Linde will international nicht als Deutsch betrachtet werden. Auch das Pharma-Aushängeschild BioNTech verlagerte Forschungs-Aktivitäten ins Ausland, weil die Gesetze zu einschränkend sind.

Die Misere mache sich selbst im Sport breit, frotzelt die Zeitung. Die Fußball-Nationalmannschaft kassiere bevorzugt Niederlagen, bei der Leichtathletik-WM gab es nicht eine Medaille.

Ampel-Zoff verhindert Besserung

Brisant: Im Zentrum der deutschen Krise steht aus Sicht der US-Journalisten die Ampel-Regierung.

Die US-Zeitung: „Kanzler Olaf Scholz und seine SPD führen eine schwerfällige Koalition, deren Mitglieder oft entgegengesetzte Ansichten vertreten. Die FDP will Steuern senken, die Grünen wollen sie erhöhen… Die Partei-Differenzen stoppen oft selbst die kleinsten Veränderungen.”